Möbelfabrik Frers und weitere Lager in Rastede
Raiffeisenstraße 44, 26180 Rastede
Ehemalige Möbelfabrik Frers
Die Firma Frers befand sich in der Knoopstraße (heutige Raiffeisenstraße), wo jetzt der Baumarkt „Cassens“ steht. Es handelte sich um eine Stuhl- und Möbelfabrik, die vor allem für ihre typischen Binsenstühle bekannt war. Während des Zweiten Weltkriegs wurden hier für die Wehrmacht u.a. Schlitten, Betten, Spinde und Koffer produziert. In der Nähe der Fabrik im Ortsteil Hostemost befand sich ein Ostarbeiterlager für die ca. 60 in der Fabrik eingesetzten Zwangsarbeiter*innen.
Über die konkrete Behandlung von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter*innen in den einzelnen Firmen und Lagern ist nur sehr wenig bekannt. Es ist ein Brief erhalten, in dem sich zwei Polen nach Kriegsende schriftlich beim Landratsamt Westerstede über die Behandlung in der Stuhlfabrik „Johann Frers und Söhne“ beschweren. Ihnen seien die von zu Hause geschickten Lebensmittelpakete nicht ausgehändigt worden. Außerdem habe die Firma zwei Polen zur Gestapo geschickt. Diese seien daraufhin ins KZ gekommen und nicht zurückgekehrt. Zwei Betriebsleiter der Firma Frers sollen zudem die Arbeiter*innen geschlagen haben.
- Heuzeroth, Günter: Die im Dreck lebten: Ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und die Lager in den Landkreisen Ammerland, Wesermarsch und Friesland. Reihe: Unter der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus: Dargestellt an den Ereignissen in Weser-Ems: 1339-1945: Band IV/3. Osnabrück: Druck- und Verlagskooperative 1996, S. 62f. (Das Buch kann in der Gemeindebücherei Rastede ausgeliehen werden.)
- Thoben, Claudia: Die Stuhl- und Möbelfabrik Frers: Zur Geschichte der Stuhl- und Möbelfabrik „Joh. Frers Söhne, Rastede“. In: kkr-rastede.de, o.A., https://www.kkr-rastede.de/gallery-item/die-stuhl-und-moebelfabrik-frers, letzter Zugriff: 23.06.2022. (Die Webseite enthält auch Fotos vom ehemaligen Fabrikgebäude.)
Firma Walter von Essen – ehemalige Ziegelei
Bei der Firma von Walter von Essen handelt es sich um die alte Ziegelei in der Kleibroker Straße beim Musikviertel. Im zugehörigen Ausländerlager waren zwanzig polnische Zwangsarbeiter*innen und eine russische Arbeitskraft untergebracht. Die Ziegelei ist heute nicht mehr vorhanden. Sie brannte im Jahr 1983 vollkommen ab.
- Heuzeroth, Günter: Die im Dreck lebten: Ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und die Lager in den Landkreisen Ammerland, Wesermarsch und Friesland. Reihe: Unter der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus: Dargestellt an den Ereignissen in Weser-Ems: 1339-1945: Band IV/3. Osnabrück: Druck- und Verlagskooperative 1996, S. 43. (Das Buch kann in der Gemeindebücherei Rastede ausgeliehen werden.)
- Jakob, Frank: Als das Klinkerwerk Rastede abbrannte. In: NWZ Online, 22.02.2021, https://www.nwzonline.de/plus-ammerland/rastede-ortsgeschichte-als-das-klinkerwerk-rastede-abbrannte_a_51,0,560300591.html, letzter Zugriff: 23.06.2022. (Dieser Artikel der NWZ kann als „PLUS-Artikel“ nur von Abonnent*innen oder gegen Entgelt abgerufen werden.)
Schützenhalle Rastede und andere behelfsmäßige Lager für Kriegsgefangene
Seit Kriegsbeginn wurden polnische und französische Kriegsgefangene ins Ammerland gebracht. Da es zu wenig Platz für sie gab, wurden Gaststätten und andere Räumlichkeiten zweckentfremdet. In Rastede wurde z.B. der Hahner Hof als Kriegsgefangenenlager genutzt. Hier waren Zwangsarbeiter*innen untergebracht, die in der Ziegelei Zange in Hahn arbeiten mussten. Auch der Tannenkrug in Südende und die Schützenhalle des Schützenvereins Rastede in der Mühlenstraße 33 waren Kriegsgefangenenlager. Der Schützenverein war zuvor aufgelöst und das Gelände von der Gemeinde okkupiert worden.
Heuzeroth, Günter: Die im Dreck lebten: Ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und die Lager in den Landkreisen Ammerland, Wesermarsch und Friesland. Reihe: Unter der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus: Dargestellt an den Ereignissen in Weser-Ems: 1339-1945: Band IV/3. Osnabrück: Druck- und Verlagskooperative 1996, S. 43. (Das Buch kann in der Gemeindebücherei Rastede ausgeliehen werden.)